Praxisübernahme finanzieren: Ablauf, Kosten, Förderkredite
Kaufpreis, Investitionen, Anlaufphase: Wie sich die Übernahme einer Arztpraxis zusammensetzt, welche Förderkredite es gibt und worauf Banken schauen.

Die eigene Praxis ist für viele Fachärztinnen und Fachärzte der nächste große Schritt. Bei einer Übernahme kaufst du nicht nur Räume und Geräte, sondern einen laufenden Betrieb mit Patientenstamm und Team. Das macht den Start planbarer als eine Neugründung – aber die Finanzierung muss mehr abdecken als den reinen Kaufpreis.
Woraus sich der Finanzierungsbedarf zusammensetzt
- Kaufpreis: Substanzwert (Einrichtung, Geräte) plus ideeller Wert (Patientenstamm, Standort, Ruf).
- Investitionen: Modernisierung, IT und Praxissoftware, neue Geräte, Umbau.
- Betriebsmittel: Personal, Miete und Material laufen ab Tag 1, Honorare der Kassenärztlichen Vereinigung kommen zeitversetzt.
- Private Kosten: Lebenshaltung, Krankenversicherung und der nun volle Beitrag zum VersorgungswerkVersorgungswerkBerufsständische Altersversorgung für Ärztinnen und Ärzte, organisiert pro Bundesland. Es zahlt Alters-, Berufsunfähigkeits- und Hinterbliebenenrente – anstelle der gesetzlichen Rentenversicherung. Glossar →.
- Nebenkosten: Beratung, Notar, Praxisbewertung, Versicherungen.
Zulassung zuerst: das Nachbesetzungsverfahren
In vielen Regionen sind Planungsbereiche für Fachgruppen gesperrt. Dann geht der Vertragsarztsitz nicht automatisch mit der Praxis über, sondern wird im Nachbesetzungsverfahren über den Zulassungsausschuss vergeben. Der Kaufvertrag sollte deshalb unter der Bedingung stehen, dass du die Zulassung erhältst. Plane für das Verfahren mehrere Monate ein.
Förderkredite und Bankfinanzierung
Neben Hausbanken und auf Heilberufe spezialisierten Banken spielen Förderkredite eine große Rolle. Die KfW und die Förderbanken der Länder bieten Programme für Gründung und Übernahme – oft mit tilgungsfreien Anlaufjahren und teilweise mit Haftungsfreistellung für die Hausbank. Förderkredite werden in der Regel über die Hausbank beantragt, und zwar bevor Verträge unterschrieben sind.
Worauf Banken schauen
- Businessplan mit realistischer Umsatz- und Kostenplanung für mindestens drei Jahre.
- Auswertungen der abgebenden Praxis: Umsätze, Kosten, Patientenzahlen, Anteil Privatpatienten.
- Liquiditätsplanung für die Anlaufphase – mit Puffer für verzögerte Honorare und Steuervorauszahlungen.
- Absicherung: Berufsunfähigkeit und Risikolebensversicherung werden häufig als Sicherheit verlangt.
Typische Fehler
- Nur den Kaufpreis finanzieren und die Anlaufphase mit dem Kontokorrent überbrücken.
- Tilgung zu ambitioniert planen – die ersten Jahre sind oft die engsten.
- Private Entnahmen und den vollen Versorgungswerksbeitrag unterschätzen.
- Förderkredite zu spät beantragen, nachdem Verträge schon unterschrieben sind.
Mit dem Liquiditätsplaner im Startpaket Praxisgründung kannst du die ersten 24 Monate durchspielen. Für Bewertung, Verträge und Steuern gehören Steuerberatung und Rechtsberatung mit Heilberufe-Erfahrung früh ins Team.


